Über Katmandu könnte man einen selbstständigen Artikel oder sogar ein Buch schreiben. Es ist eine Stadt voll von Kontrasten. Elend, Dreck, Staub, aber auf der anderen Seite (oder gleich daneben) findet man Luxusrestaurants, malerische Geschäfte oder Internetcafes. Derjenige, der es nicht erlebt hat, glaubt daran nicht, aber wenn man das sieht, vergisst man es nicht. Ursprünglich wollten wir im Laufe von zwei Tagen sämtliche Genehmigungen erledigen, Lebensmittel und fehlendes Material nachkaufen, das Gepäck für Gepäckträger packen und uns auf den Weg machen. Wir mussten aber Visa und Genehmigungen direkt vor Ort erledigen, weil es unmöglich war, etwas aus der Ferne zu erledigen. Bei ihrer Erledigung waren wir Zeugen eines Benehmens der Leute, das uns an bekannte „Alles wird sein!“ oder „Maòana“ erinnerte, weil wir nach allem drum und dran erst am fünften Tag, am Morgen ausrücken konnten. Außer einer Genehmigung zur Besteigung eines Berges muss jede Expedition einen Führer und eine Bergkletterexpedition auch einen Verbindungsmann haben. Je lukrativer der Berg ist, um so höher sind die Gebühren. Man zahlt auch für eine Sendestation und ein Satellitentelefon, die jede Expedition braucht. Am Ministerium wird auch ein Depositbetrag für „Abfälle“ und eine „eventuelle Rettungsaktion“ hinterlegt. Wenn die Expedition die Abfälle vom Berg selbst einsammelt bzw. eine Rettungsaktion“ nicht nötig war, wird der Depositbetrag Ihnen zurückgegeben. Auch wenn das Abwarten für uns ein unangenehmes Hindernis war, waren Schweifungen in den Gassen von Thamel (verbunden mit der Besuchen von lokalen Geschäften und Baren), die Besichtigung der hinduistischen Grabstätte Pashu-Patinah oder des Affentempels Swayanbunat unvergessliche Erlebnisse für uns. In Kathmandu mieteten wir sechszehn Träger. Wir hatten mit uns ein Tausend Meter der Žilmont – Seile, ein Paar Zelte für Hochgebirgecamps, vier Zelte für das Grundcamp, ein großes Gesellschaftscamp, eine Menge von anderen Materialien und Nahrungsmittel.
Am 22. September, um 4.52 wurden wir durch eine Stimme im Hoteltelefon mit den Worten: Good morning, bus is here“ aufgeweckt. Wir warfen die Sachen in den Bus der Marke TATA (fast alles in Nepal, was Räder hat, ist dieser indischen Marke), ließen die Träger einsteigen und gingen auf eine 200km-lange Reise zum Örtchen Besi Sahar, das ein Ausgangspunkt für den sogenannten Annapurna – Treck ist. Angesichts einer “schwindelerregenden“ Geschwindigkeit (etwa 40km/St.), verursacht durch die Qualität der lokalen Kommunikation und Staus (das Auto wird grundsätzlich dort repariert, wo eine Panne entsteht), kamen wir dorthin erst in den Abendstunden.
Nächsten Morgen gelang es noch uns, eine Abförderung mittels eines Geländewagens bis zur Siedlung Khudi zu organisieren, aber dort fiel die Strasse definitiv aus. Weiterhin führte nur noch ein Gehweg, der uns in sieben Tagen das Flußtal Marsyangdi Khola entlang unter unseren Berg heranführen sollte. Unsere Tour bis zum Manang war mit dem Treck um Anapurna identisch. Diese Tour geht von Manang über den Paß Thorung La (5416m) bis zum Jomoson, auf die wir uns nach der Beendigung der Expedition wieder anschließen sollten, um weiter bis nach Beni zu gehen. Der gesamte Treck dauert 13 Tage, von denen wir nur 3 Tage nicht abgeleistet haben. Auch wenn der Fortschritt der Zivilisation unaufhaltsam ist und sogar in diesen Orten zum Vorschein kommt, bleiben das schwere Leben der Nepaler und die umgebende Natur für ewig in Ihrem Gedächtnis erhalten.
Immerfort führt der Weg neben dem wilden Marsyangdi Khola (die Rafter würden sabbern) auf den in den steilen Abhängen ausgehauen Gehsteigen. Am Anfang unseres Aufzuges wurden wir von Bananenpalmen, Reisfeldern und hoher Feuchtigkeit umgeben, bei der alles nass war und nicht trocknete. Schrittweise, mit wachsender Höhe wurde die Natur immer bekannter und angenehmer für uns. Es kamen Zapfenträger hinzu und wurde kühler. In Manang kauften wir letzte Nahrungsmittel nach und verließen „die Zivilisation“.
Tilicho Peak (7134m) befindet sich 6km nördlich vom Hauptgipfel Annapurna (8091m). Das Grundcamp liegt am gleichnamigen See Tilicho Lake (4912m), dem höchstgelegenen See der Welt. Die Teilnehmer der historisch ersten erfolgreichen französischen Expedition auf Annapurna als Europäer haben ihn im Jahre 1950 entdeckt. Den ersten ungelungenen Versuch einer Gipfelherklimmung von Tilicho Peak unternahm in der Frühlingsvormonsunzeit des Jahres 1972 die deutsch-schweizerische Expedition. Im Jahre 1978 wurde der Gipfel nur von einem Mitglied einer französischen 6-Mann-Gruppe erreicht. Unsere Ersteigung führte an der Rippe der östlichen Wand zur nord-östlichen Rippe und weiter auf die Spitze. Der Schwierigkeitsgrad war gegen III bis IV in den Felspartien und die Neigung betrug 55 bis 60% auf Schneeabschnitten.
Es war zwar „kein Loch in der Welt“, aber auch „keine Stocktour“. Eine ganz interessante Besteigung. In Europa können Sie zum Testen eines Höheneinflusses den höchstgelegenen Mont Blanc benutzen, aber Sie wissen nie, was mit Ihnen Himalaya-Höhen machen. Es ist individuell geregelt, einer bewältigt das besser, der andere hat Probleme schon in der Höhe von etwa 4000m über dem Meeresspiegel. Unser Grundcamp befand sich in der Höhe 5111m über dem Meeresspiegel. Der Aufstieg auf den Gipfel dauerte uns zehn Tage. Schrittweise errichteten wir zwei Höhencamps. Das erste Camp schlugen wir in der Höhe 5811m und das zweite Camp - in der Höhe 6545m auf. Man arbeitete zwei bis drei Tage auf dem Berg, danach kletterte man nach unten zum Grundcamp, wo man sich ein bisschen erholte. Nach oben trugen wir Materialien, Zelte, Nahrung und alles, was man zum Überleben braucht. Wir wechselten einander je nach dem, wer und inwieweit es fertig brachte und wie sich an die Höhe adaptierte. Eine gute Gesundheit und Kondition sind Grundbedingungen. Den Gipfel bestiegen nur die dreien – Peter Kostelanský, Vladimír Gembeš und Ivan Prokop, aber die Beteiligung und die Atmosphäre einer solchen Expedition lassen in Ihnen unvergessliche Erlebnisse übrig.
Bei der Expedition benutzten wir die Fixierseile von Žilmont und wir prüften auch ihr neues dynamisches Seil Raasta 10,0. Wir gebrauchten es zur Absicherung beim Aufziehen von Fixen auf dem Firn, am Fels und im Mix. Stark beansprucht war es sowohl beim Hochklettern als auch bei der Abseilung in den Abschnitten, wo wir keine Fixierseile aufgezogen hatten. Trotz der Tatsache, dass das von uns geprüfte Seil keine Oberflächenbehandlung hatte, kam es nicht einmal zum Wasseransaugen auf dem nassen Schnee und zum Einfrosten. Die Knotbarkeit und die Handhabung waren ausgezeichnet, und so können wir das neue Seil nur loben.
Peter Kostelanský
